Werkzeug / Zerlegen / Probelauf / Gewindereparatur
Hier mal das wichtigste Werkzeug:
3/8 Zoll Kasten
Drehmomentschlüssel klein (0-20 Nm) und groß (20 - mehr als 100 Nm), oder 10 - 60 Nm
Gummihammer
Schleifpapier
Rasierklinge
Teleskopmagnet
Schraubenzieher, Kreuz und Schlitz
Draht
Fühlerlehre
Solltest du dieses Werkzeug haben, dann wäre eine Reparatur möglich. Exaktes Arbeiten,
Geduld und einige Schrauberkenntnisse sind bei Arbeiten am Motor vorausgesetzt.
Nun geht's ans Zerlegen:
Auspuff demontieren
Tank abnehmen
Kurbelgehäuseentlüftungsschlauch entfernen
Luftfilterkasten lockern (Schraube oben und/oder an den Seiten)
Schellen vom Vergaser (vorne und hinten, nicht die ganz vorne beim Motor) gut lockern
Luftfilterkasten nach hinten ziehen und wenn möglich die hinteren Schellen entfernen
Vergaserbatterie nach hinten ziehen, so daß die aus den Ansaugstutzen herauskommt und nach rechts herausnehmen. Ggf. muß zuvor oder auf halbem Weg der Choke ausgehängt werden. Dies variiert nach Modell.
Ist die Vergaserbatterie fast ganz draußen, das Gasseil "entsichern" (Kontermutter unten weit aufdrehen) und das Gasseil aushängen.
Zündkerzenstecker abziehen und nach oben (an den Rahmen) binden
Ventildeckelschrauben (von außen nach innen) lockern und den Ventildeckel nach dem Entfernen der Schrauben abnehmen
Motor auf OT drehen und dann noch mal ca. 30 Grad weiterdrehen, bis die Ventile maximal entlastet sind.
Steuerkettenspanner arretieren (Konterschraube an der Linken Seite lösen und die Madenschraube hineindrehen) und dann ausbauen
Nockenwellenlagerböcke nun alle lockern; angefangen wird bei den Nocken, die gerade KEIN Ventil betätigen, aufgehört bei dem
Nocken, der ein Ventil betätigt! (Ansonsten habt ihr Hebelwirkung und die
Gewinde können ausreißen!)
Nockenwellenböcke nach Entfernen der Schrauben abnehmen und auf eine saubere Unterlage legen.
Sollte kein Teleskopmagnet vorhanden sein, die Steuerkette mit einem dünnen Draht sichern (z.B. am Rahmen fest machen). Dann die Nockenwellen aus den Lagern heben und herausnehmen.
Zylinderkopfschrauben von außen nach innen lockern und die Mutter/Schrauben entfernen. ACHTUNG: Vorsichtig arbeiten und keine Mutter/Schraube in den Motor fallen lassen. Die vordere Schraube in der Mitte vom Zylinderkopf (ist von unten verschraubt) nicht vergessen!
Die Kupferscheiben beim Steuerkettenschacht ebenfalls entfernen, da diese
beim Abziehen sonst in den Schacht fallen.
HINWEIS: Damit nichts hineinfallen kann, sollte man einen Lappen in den
Steuerkettenschacht stecken.
Vordere Steuerkettenführung (Plastikteil) herausnehmen und durch den "Spalt" zwischen rechter Zündspule und Rahmen entfernen.
Den Zylinderkopf könnte man nun abziehen. Will man nur die Kopfdichtung wechseln, so sollte man den Zylinderfuß mit zwei Zurrgurten nach unten sichern (nicht zu fest verzurren, da ansonsten Kühlrippen brechen könnten). Wenn sich der Zylinderfuß einmal anhebt, dann muß auch die Fußdichtung gewechselt werden!
Zylinderkopf nun abziehen, indem man zuerst versucht, ob dies mit der Hand möglich ist. Sollte dies nicht möglich sein, kann man ein Stück Holz an den Auslässen (da wo die Krümmer befestigt werden) ansetzen und mit einem kleinen Hammer schlagen, bis sich der Kopf löst. Oder man nimmt einen Gummihammer und schlägt vorsichtig an geeigneten (!) Stellen gegen den Kopf.
sollte die Steuerkette mit Draht gesichert sein, diesen nun durch den Zylinderkopf hindurchfädeln
alte Zylinderkopfdichtung entfernen
FÜR GS MOTOREN: Die Tassenstößel mit den dazugehörigen Shims (Einstellplättchen) herausziehen (Magnet hilft hier) und gesondert ablegen. ACHTUNG: Die Tassenstößel mit Shims MÜSSEN wieder an der gleichen Stelle eingebaut werden! Ein Zettel mit Beschriftung (Zylinder 1-4 waagerecht sowie Einlass und Auslass oben bzw. unten) sollte unbedingt angefertigt werden. Die Teile dann auf dem Zettel ablegen.
Dichtflächen des Zylinderkopfes und die Gegenseite am Zylinderfuß nun säubern
-- alle DICHTUNGSFLÄCHEN vor dem Zusammenbau gut säubern und von Dichtungsresten befreien. Hierbei hilft die Rasierklinge (große Stücke) und ein 400er Naßschleifpapier mit Öl darauf (feine
Arbeiten); sehr gut ist auch eine Messingbürste in Verbindung mit MoS-Spray.. ACHTUNG: Keine Kerben in die Dichtflächen machen und nicht zu lange an einer Stelle schleifen!
Um eine festsitzende Passhülsen zu entfernen, steckt man einen passenden Bohrer
(noch besser ist ein Linksausdreher) in die Hülse und dreht diese dann mit einer Zange (Lumpen zwischen Hülse und Zange) heraus.
Sind alle Dichtflächen gereinigt, wischt man nochmals über die Dichtflächen, um Ölreste und Schleifstaub zu entfernen.
Die Auspuffdichtungen mit einem großen, flachen Schraubenzieher oder einem kleinen Meißel heraushebeln (Lappen zwischen Werkzeug und Zylinderkopf !)
Nun die neue Zylinderkopfdichtung, die neuen O-Ringe für die Steigkanäle (nicht bei allen Modellen! Die GSX 1100/750 haben hier z.B. keine O-Ringe, bei der GS 650 sind diese in der Kopfdichtung integriert) und den neuen Dichtring für das Steuerkettengehäuse (nur GS 550 !!) auflegen. Die Markierung oder Schrift auf der Kopfdichtung (z.B. "TOP") nach oben (für dich sichtbar) ausrichten.
Den Zylinderkopf vorsichtig in die Stehbolzen einfädeln, die Steuerkette ggf. hindurchfädeln und den Zylinderkopf (Passhülsen montieren nicht vergessen !!!) ablassen, so daß die Passhülsen in die gewünschten Bohrungen passen. FÜR GS 550: Bevor man ihn ganz abläßt nochmals kontrollieren, daß die O-Ringe und der Dichtring von Steuerkettengehäuse richtig liegen.
Die Kupferdichtringe für die Zylinderkopfmuttern vorsichtig (nicht reinfallen lassen) auflegen
Die Zylinderkopfschrauben/-muttern handfest anschrauben. ACHTUNG: Geduld haben und nichts in den Motor fallen lassen. Am besten Steuerkettenschacht mit einem Lappen verschließen.
Die Zylinderkopfmuttern (M8 Gewinde) nun mit 15 Nm von innen nach außen und immer über Kreuz anziehen (oder den Nummern auf dem Zylinderkopf folgen, wenn diese noch lesbar sind). Dann die Zylinderkopfschrauben (wenn vorhanden, M6 Gewinde) mit 10 Nm anziehen.
Die Zylinderkopfmuttern nun mit 38 Nm, wieder von innen nach außen und über Kreuz, anziehen. Die Schrauben (Größe M6) nochmals kontrollieren, also leicht öffnen und wieder mit 10 Nm anziehen. Die vordere Schraube in der Mitte vom Kopf (von unten verschraubet) nicht vergessen (wir mit 8 - 10 Nm angezogen).
Die Steuerkette nun mit Draht in leicht gespanntem Zustand sichern und den Motor langsam am Zündrotor auf OT des ersten Zylinders drehen.
Die vordere Steuerkettenführung wieder einfädeln (meist zwischen rechter Zündspule und Rahmen durch) und in die vorgesehene Verankerung im Zylinderkopf einschieben. ACHTUNG: Die Führung muß auch unten im Motor passen! Sie muß ganz leicht einzustecken sein und mit der Dichtfläche am Zylinderkopf abschießen.
FÜR GS MOTOREN: Sollten die Tassenstößel und Shims noch nicht wieder an ihrem (!) Platz sein, dann tun wir das jetzt.
Die AUSLASS-Nockenwelle (die vorne, Richtung Auspuff) einfädeln, den Sicherungsdraht entfernen und die "Markierung 1" so ausrichten, daß sie bei vorne gespannter (mit der Hand Richtung Vergaser ziehen) Steuerkette mit der Dichtfläche fluchtet (parallel dazu ist, bzw. etwas nach unten zeigt), wenn die AUSLASS-Nockenwellen im Lager liegt. Die "Markierung 2" zeigt dann nach oben.
Die EINLASS-Nockenwelle einfädeln und so ausrichten, daß die "Markierung 3" nach oben zeigt, wenn sie im Lager liegt. Zusätzlich müssen zwischen "Markierung 2" und "Markierung 3" die Nieten der Steuerkette gezählt werden. Es müssen 20 Nieten zwischen den Markierung sein, inkl. der Nieten, die bei
den Markierungen sind.
Nun haben wir die Steuerzeit bereits wieder richtig eingestellt.
HINWEIS: Bild für die Steuerzeiten siehe Nockenwellen
WICHTIG: Auf die Nockenwellenlager satt Öl auftragen bzw. Öl drüberkippen
Nun die Lagerböcke wieder an ihre Plätze bringen. Die Böcke haben Buchstaben, z.B. "A" (wäre der links vorne). In der Nähe der Tassenstößel bzw. Schlepphebel findet man ebenfalls die jeweiligen Buchstaben. Die Böcke dürfen NICHT vertauscht werden !!! Auch die Passhülsen der Lagerböcke müssen alle an ihrem Platz sein!
Die Schrauben der Lagerböcke (KEINE anderen Schrauben verwenden!!!!) an ihren Platz und die Böcke nun wieder einbauen, beginnend mit der Auslassnockenwelle UND dem Bock, wo gerade ein Ventilbetätigt wird (ansonst habt ihr Hebelwirkung und die Gewinde reißen aus!!). Wenn alle Böcke ihre Endposition erreicht haben, die Schrauben mit 8 Nm (NICHT mehr!!!!, Drehmomentschlüssel verwenden!) festziehen.
Den Steuerkettenspanner zur Hand nehmen, den Stößel festhalten und die Madenschraube lösen. Nun das Rad an der rechten Seite des Spanners nach links drehen und den Stößel hineindrücken. Während man den Stößel so hält, die Magenschraube wieder leicht festziehen. Nun ist der Steuerkettenspanner einbaufertig (vorgespannt).
Den Steuerkettenspanner einbauen (Rad auf der rechten Seite) und die Schrauben mit 10 Nm festziehen. Dann die Madenschraube lösen (KLACK), die Schraube noch eine halbe Umdrehung mehr HERAUSDREHEN, festhalten und die Kontermutter anziehen.
Den Motor nun langsam von Hand durchdrehen und darauf achten, daß er nirgends "ansteht" oder komische Geräusche macht. Die Steuerkettenspannung nach einigen Umdrehungen von Hand prüfen (darf nicht locker sein). Ebenso prüfen wir nun nochmals die Steuerzeit, also die Markierungen! Bei OT 1-4 müssen alle Markierungen richtig stehen!
Nun das Ventilspiel messen (denn der Motor ist ja schon mal offen). Für die GS 550/650 Katanas gilt z.B.: Einlass wie Auslass: 0,03 - 0,08 mm. ANMERKUNG: 0,05 bis 0,08 mm ist besser, wenn weniger Spiel vorhanden ist, sollte man das Spiel berichtigen (siehe Ventile -> Ventile einstellen). Für die GSX Katanas (alle Modelle) gilt: Einlass wie Auslass: 0,09 - 0,12 mm. 0,10 ist also OK, das Auslass leicht lockerer einstellen.
neue Ventildeckeldichtung nach Säubern der Dichtflächen auflegen und den Ventildeckel wieder auflegen. Die Ventildeckelschrauben mit 8 - 10 Nm festziehen.
Den Vergaser zu einem Drittel von rechts einschieben, dann das Gasseil und ggf. das Chokeseil einhängen. Nicht vergessen das Gasseil mit der unteren Mutter zu kontern.
Den Vergaser in die Ansaugstutzen schieben und die vorderen Schellen festziehen.
Den Luftfilterkasten ausrichten und aufschieben. ACHTUNG: Kontrollieren, ob die Stutzen auch unten sitzen!
Luftfilterkasten festziehen
Die hinteren Schellen festziehen
Den Kurbelgehäuseentlüftungsschlauch wieder anbringen
Tank drauf und anschließen
Auspuff montieren; dabei neue Auspuffdichtungen zwischen Zylinderkopf und Krümmer verwenden!
Jetzt geht's zum Probelauf
Probelauf und Nachziehen der Kopfdichtung:
Einen Probelauf durchführen und den Motor dabei auf Betriebstemperatur kommen lassen
ACHTUNG: Sollte eine Zylinderkopfdichtung aus dem Zubehör verwendet worden sein, so muß die Kopfdichtung nach dem Abkühlen des Motors
(ca. 3 Std. warten) SOFORT nachgezogen werden. Dafür den Ventildeckel erneut entfernen, und die Zylinderkopfschrauben
- von innen nach außen, über Kreuz - nachziehen. Hierbei die nachzuziehende Schraube/Mutter etwas lösen
(ca. 30 Grad) und dann erneut mit dem richtigen Drehmoment festziehen.
Originaldichtungen nach 500 km nachziehen!
Gewindereparatur am Zylinderkopf:
Für den Zylinderkopf verwenden wir nur Helicoil, Recoil, V-Coil,
oder ähnliches! Ausnahme: Zündkerzengewinde. Hier setzt man besser eine Buchse
(z.B. Time-Sert). Bei Arbeiten am Zündkerzengewinde muß der Zylinderkopf
demontiert sein!
HINWEIS: Helicoil (oder ähnliches) wird ohne Kraft (nach unten) eingeschraubt!
Also langsam und ohne Kraft drehen.
katana-treff.de